Heinrich Heine

Die schlesischen Weber (Heinrich Heine)

Im düstern Auge keine Träne

Sie sitzen am Webstuhl und fletschen die Zähne:

Deutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem Gotte, zu dem wir gebeten

In Winterskälte und Hungersnöten;

Wir haben vergebens gehofft und geharrt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem König, dem König der Reichen,

Den unser Elend nicht konnte erweichen

Der den letzten Groschen von uns erpreßt

Und uns wie Hunde erschiessen läßt -

Wir weben, wir weben!

Ein Fluch dem falschen Vaterlande,

Wir nur gedeihen Schmach und Schande,

Wo jede Blume früh geknickt,

Wo Fäulnis und Moder den Wurm erquickt -

Wir weben, wir weben!

Das Schiffchen fliegt, der Webstuhl kracht,

Wir weben emsig Tag und Nacht -

Altdeutschland, wir weben dein Leichentuch,

Wir weben hinein den dreifachen Fluch,

Wir weben, wir weben!

Verfügbare Informationen:
ISBN: 3-446-12247-8
Erschienen im Buch "Heinrich Heine. Sämtliche Schriften in zwölf Bänden. Reihe Hanse"
Herausgeber: Carl Hanser Verlag